Der Herr hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.
Liebe Leserin, lieber Leser,
große Hoffnung waren 1989 mit dem Neuanfang nach dem Zerbrechen der sozialistischen Staaten verbunden. Manche und mancher sah gar voller Hoffnung und Zuversicht eine Zukunft der „blühenden Landschaften“ in den Staaten hinter dem Eisernen Vorhang. Hoffnungsvolle Aufbrüche gibt es auch dieser Tage: viele Menschen hoffen, dass mit der Impfkampagne der Bundesregierung ein neues, erfolgreiches Kapitel im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgeschlagen wird. Ebenfalls viele Menschen erhoffen sich dadurch in absehbarer Zeit eine Entspannung des derzeit krisenbedingten Alltags im Berufs- und Familienleben, zum Beispiel in der Kinderbetreuung zu Hause.
Alles berechtigte oder zum Teil auch übersteigerte Erwartungen? Können diese hoffnungsvollen Aufbrüche der ihr begegnenden Realität standhalten?
Auch hinter den Worten unseres heutigen Losungswortes stehen hoffnungsvolle Aufbrüche und Erwartungen. Die Rückkehr des Volks Israel aus dem Exil in Babylonien in ihre Heimat, war mit großen, zum Teil visionären Hoffnungen und Erwartungen verbunden. Doch diese waren, so erzählt es uns die Bibel, schnell verflogen. Der Neuanfang, vor allem im Wiederaufbau Jerusalems und des zerstörten Tempels, schien aufgrund der fehlenden Mittel und des Argwohns der Nachbarn fast unmöglich. Wie eine dunkle Wolke lag Verzagtheit über der Stadt, und Zukunftsängste lähmten die Heimkehrer. Eine Gefühlslage, die vermutlich vielen Menschen in unserem Land derzeit nicht so ganz unbekannt ist.
Genau in eine solche Situation hinein ruft der Prophet die gute Botschaft aus: „Gott wendet sich uns zu – und ganz besonders denen, die jetzt geknickt und verzweifelt sind. Er steht uns in aller Not und allen Schwierigkeiten bei“ Jesus hat dieses alte Prophetenwort später bei seinem ersten Auftritt in seiner Heimatstadt Nazareth auf sich bezogen. Er sagte in der Synagoge von Nazareth: „Heute sind diese Worte vor euren Ohren erfüllt!“ (Lukas 4, 21). Damit lud er damals seine Mitmenschen aber auch uns heute ein, auf ihn zu hoffen. Er ist nahe, was auch immer uns belastet und lähmt. Dafür ist er in diese Welt gekommen. Wir dürfen ihm unsere Zukunftsängste, die Sorgen um unser Leben, um unsere Familien, um unser Land, um diese Welt, anvertrauen. So können Kräfte freu werden, um das, was im Bereich unserer Möglichkeiten liegt, wahrzunehmen und zu gestalten. So können hoffnungsvolle Aussichten und hoffnungsvolle Aufbrüche mit Blick auf die vor uns liegende Zeit entstehen, die uns ermutigen und Schwung geben.
Gottes Trost und Gottes Segen möge Sie mit diesem hoffnungsvollen Schwung erfüllen.
Einen gesegneten Tag wünscht,
Ihr Pfr. Paul-Gerhard Feilcke

