Sie können die Ansprache zum Pfingstfest 2020 von und mit Pfarrer Paul-Gerhard Feilcke, aufgenommen in der Kirche St. Georgii zu Eimen, auch auf YouTube ansehen:
https://www.youtube.com/watch?v=FP_AvSb4168
Ansprache
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft, die uns im Glauben durch den Heiligen
Geist geschenkt ist, sei mit uns allen. AMEN!
Liebe Leserin, lieber Leser,
in der Haut der Freunde Jesu hätte ich damals beim ersten Pfingstfest ungern gesteckt. Eine unglaubliche Story nach der anderen hatten sie erlebt: Erst triumphaler Empfang in Jerusalem. Der rote Teppich wird ausgerollt. Ein paar Tage später, qualvoller Tod Jesu am Kreuz auf dem Hügel Golgatha, quasi draußen vor der Stadt auf der Müllkippe von Jerusalem. Drei Tage später: die nächste unglaubliche Story: Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Und dann kurze Zeit später löst er sich scheinbar in Luft Auf. Entschwindet vor den Augen seiner Freunde ein in den Himmel.
Hier dran bleiben, mit Verstand und Glaube. Wer das damals wie heute schafft: Chapeau!
Nichts schien mehr so, wie es einmal war.
Nichts scheint mehr so, wie es einmal war. Das gilt nun wiederum für uns heute. Das Corona-Virus hat unser Leben umgekrempelt. Wochenlang geschlossene Kirchen und keine Gottesdienste. Kein Besuch von Freunden oder gar engsten Familienangehörigen in der Ferne. Geschlossene Geschäfte und leere Innenstädte wie in Alfeld oder Einbeck. Keine Besuche bei alten oder kranken Mitmenschen: Stichwort „Risikogruppe“. Das hat verunsichert. Das hat Kraft gekostet.
Nichts scheint mehr so, wie es einmal war.
Und heute nun? Pfingsten 2020, in unserer Kirche? Begrüßung mit Desinfektionsmittel statt Handschlag. Kein Gesang, stattdessen Tragen eines Nase-Mundschutzes. Abstand halten.
Was ist die Botschaft von Pfingsten, im Angesicht einer solchen Zeit und solcher Tage wie heute?
Das wussten die Freunde von Jesus damals wohl auch nicht so richtig. Bis jener Sturm kam und sie im wahrsten Sinne des Wortes wach gerüttelt hat. Und er hat ein Feuer in ihnen entfacht: Sie wurden von Gottes Geist erfüllt. Ratlosigkeit und Angst - wie verflogen. Stattdessen berichteten sie begeistert von ihrem Glauben an den Herrn Jesus.
Ich weiß, das klingt recht merkwürdig, für manchen auch unglaubwürdig. Aber hierin liegt die Botschaft von Pfingsten, die gilt, auch im Jahr 2020, auch in Zeiten von Corona: .der Sinn von Pfingsten ist die begeisterte Weitergabe der Botschaft Jesu.
Pfingsten möchte sie, dich und mich neu für die Botschaft des Mannes aus Nazareth begeistern.
Ich vergleiche das gerne mit meiner Leidenschaft und Begeisterung für den Fußball und meinen Verein Borussia Dortmund. Wenn mich was richtig begeistert, so wie meine Lieblingsmannschaft in Schwarz-Gelb, dann trau ich mich plötzlich, anderen davon zu erzählen. Und manchmal springt der Funke über und dann breitet sich die Freude, Glück und Überschwang, eben Begeisterung, aus. So ist auch Begeisterung für den Glauben zu verstehen.
Ich habe in noch keinem Jahr meiner Dienstzeit die Passions- und Osterzeit so intensiv erlebt, wie dieses Jahr. Die einen mehr die anderen weniger, aber doch auch wir irgendwie alle, haben in den letzten Wochen und Monaten etwas von dem Leid, von den Umbrüchen, die unser Leben und unsere Gesellschaft verändert haben miterlebt.
Nein, Corona ist keine Strafe Gottes. Corona ist auch nicht der Sturm, der uns wachrüttelt. Aber das, was wir zuletzt erlebt haben - vielleicht hilft es uns, die eigene Begeisterung für den Glauben an diesen Jesus Christus neu zu entdecken. Neu zu entfachen.
Heute ist Pfingsten. Seit jenem ersten Pfingsten kann man den Geist Gottes spüren. Wie? Indem der Glaube mich spüren und erleben lässt: Ich bin nicht allein. Ich bin nicht allein, trotz der finanziellen oder dienstlichen Probleme durch die Corona-Krise. Ich bin nicht allein, trotz der harten Zeit für meine Familie, Freunde oder andere lieben Menschen. Ich bin nicht allein, auch wenn viele nicht da sein konnten oder durften.
Jesu guter, heiliger Geist ist spürbar, erlebbar. Da hat mit Gefühlsduselei, Einbildung oder gar einem fundamentalistischen Glaubenseifer überhaupt nichts zu tun. Es hat vielmehr etwas damit zu tun, ob wir für uns glauben und erleben, dass es in meinem Leben, in meiner Gemeinde mit Jesus weiter geht. Kein Betriebsstillstand sondern vorankommen, mit Glaube, Hoffnung und Liebe. Eben mit begeisterten Glauben, im Herzen und in der Gemeinschaft.
Das hatten Petrus und die Freunde Jesu verstanden. Genau daran erinnern wir uns heute an diesem Pfingstfest. Das feiern wir heute. Trotz Krise, trotz großer Probleme und Verunsicherungen: Wir sind mittendrin. Weil Christus versprochen hat, mitten unter uns zu sein. Er sieht das, was uns belastet und uns freut, und er ist mittendrin. Und ich merke, wie mich dieser Glaube für ihn neu begeistert. Wie mich dieser begeisternde Geist auch durch diese Zeit getragen und begleitet hat. Gott da. Das will ich glauben. Davon will ich mich begeistern lassen.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unseren Herrn. AMEN!








